Mein Traumjob: Wie wirst du eigentlich… Reisebegleiter?

Reisebegleiter Traumjob

Es gibt so viele Jobs, die du heutzutage ausüben kannst – da fällt die Entscheidung manchmal schwer. In der Serie „Mein Traumjob – Wie wirst du eigentlich …“ kannst du dich über viele interessante Berufe schlau machen, die dir Inspiration für deine Berufswahl geben können. Ob Reisebegleiter, Schreiner, Bloggerin oder Koch: Bestimmt ist ein Bereich für dich dabei, der dich auf die Idee bringt, diese berufliche Richtung einzuschlagen. Vielleicht kriegst du sogar Lust, dich auf etwas Neues einzulassen. Also los, Bühne frei für den Reisebegleiter!

Armin wusste schon immer, dass es ihn in die Welt hinausziehen wird. Ein Job vor dem Computer kam für ihn nicht in Frage. Auf seinen Trips als Reisebegleiter entdeckt er meist auf dem Rad unsere Kontinente, trifft auf die unterschiedlichsten Menschen und schafft Vorurteile ab.

Wie wird man Reisebegleiter? Wie war dein Weg zu deinem jetzigen Job?
Seitdem ich mit 17 Jahren meine erste geführte Italien-Reise gemacht habe, ist mir der Job als Reisebegleiter nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Da ich Geschichte studiert und eine touristische Ausbildung gemacht habe, lag das gar nicht so fern und ich habe in meiner Heimat Arnsberg jahrelang Stadtführungen begleitet. Das war im Prinzip der Ausgangspunkt und vor knapp zehn Jahren habe ich beim Rad- und Wanderreiseveranstalter „Die Landpartie“ in Oldenburg angefangen. Ich habe mich auf ein Inserat im Internet beworben und wurde zu einem Vorbereitungswochenende eingeladen und so begann dann meine erste Saison, in der ich hauptsächlich deutsche Reisen an Ziele wie Rügen und den Elberadweg begleitet habe. Viele von uns Reiseleitern haben einen Hintergrund mit Geschichte, Geographie, Ornithologie etc. Jeder hat auch einen ganz eigenen Stil, denn als Kopie von irgendjemanden herumzulaufen, ist ja auch langweilig.

Was machst du den ganzen Tag?
Die Arbeit beginnt eigentlich immer damit, dass wir die Räder bereitstellen, denn wir arbeiten immer im Zweierteam. Dann startet der eigentliche Tag gegen 9 Uhr mit der Abfahrt und im Laufe des Vormittags folgt z. B. die Besichtigung einer Sehenswürdigkeit. Das kann die Altstadt von Siena oder die Fresken von Piero della Francesca in Arezzo sein oder wir besuchen eine russlanddeutsche Kirchengemeinde im Kaliningrader Gebiet. Am Mittag haben wir ein Picknick, dass vom zweiten Reiseleiter zubereitet wird und das sich immer großer Beliebtheit erfreut. Hier präsentieren wir den Gästen landestypische Spezialitäten. Am Nachmittag radeln wir weiter und wenn es auf dem Weg etwas Sehenswertes gibt, besichtigen wir es. Die Radstrecken sind jeweils zwischen 35 und 60 km lang, da muss man schon in die Pedalen treten. Nach der Ankunft am Hotel kümmern wir uns um die Räder, die Urlauber können sich dann schon etwas erholen. Der Tag klingt mit einem gemeinsamen Abendessen aus und gelegentlich gibt es noch einen Abendspaziergang, wo wir die Abendstimmung noch einmal auf uns wirken lassen.

Was ist das Beste an deinem Job?
Ich reise gerne und kann durch meine Arbeit sehr viel sehen. Aber selbst wenn man eine Reise 25 Mal begleitet hat, wird es nicht langweilig, denn alles ändert sich immer wieder. Die Gäste sind neu, das Spiel der Wolken, die Farben der Natur im Laufe des Jahres … Selbst bei Kunstwerken entdeckst du immer etwas Neues. Zudem kommen neue Gebiete hinzu. Dieses Jahr habe ich erstmalig unsere Schweiz-Reise begleitet. Bei herrlichem Wetter war es ein fantastisches Erlebnis, genauso wie die Gartenreise durch England. Ich freue mich, wenn ich Gästen ein Land, eine Region oder eine Stadt näher bringen kann. Reisen hilft auch dabei, Vorurteile abzubauen. Manche reisen auf einem sehr hohen (deutschen) Roß an und sind dann ganz erstaunt, wie sich die baltischen Staaten und andere Regionen Europas entwickelt haben. Verständnis zu bekommen und sich für Neues zu öffnen, das macht das Reisen eben auch aus und ich freue mich, wenn ich da dem ein oder anderen auf die Sprünge helfen kann.

Was ist das Nervigste an deinem Job?
Ich vermisse selbstverständlich meine Familie und Freunde. Zum Glück gibt es Whatsapp und die anderen Medien, da kann man gut Kontakt halten. Es gibt schließlich auch immer viel zu erzählen, denn mein Freundeskreis ist genau wie ich sehr mobil, immer reist irgendjemand durch die Gegend. Nervig ist das Gewicht von den Rädern. 25 Räder zu verladen, ist schon anstrengend, aber ich sehe das als kleine Trainingseinheit. Und hin und wieder gibt es auch schwierige Reiseteilnehmer, aber so ist es halt, wenn man mit anderen Menschen unterwegs ist. Nichts ist zu 100 % ideal, das macht es aber jedes Mal aufs Neue spannend.

Wie sind die Bezahlung und die sonstigen Konditionen in deinem Job?
Wenn du Karriere machen und Geld verdienen willst, dann ist dieser Beruf keiner für dich. Es ist Liebhaberei, eine Art Berufung, für mich mehr als ein nur ein Job, um Geld zu machen.

Was ist deine schönste Reisebegleiter-Erinnerung?
Davon gibt es viele. Meine jüngste Erinnerung ist die an ein Treffen vor einigen Wochen. Im Ermland, dem polnischen Teil von Ostpreußen, habe ich eine alte Freundin aus Hamburg mit ihrer Familie wiedergetroffen – das war sehr schön. Ich kann etliche Geschichten von Begegnungen erzählen, etwa die mit Lydia in Slawsk, die uns jedesmal herzlich empfängt. Es gab schon jede Menge Situationen, in denen uns geholfen wurde. Witzig war etwa der Tag, an dem wir noch vor dem Tross des Giro d’Italia die Strecke durchfahren durften. Das ging nur durch die Hilfe dreier junger Franzosen, die mir beim Ankoppeln des Anhängers halfen und die Straße absperrten.
Generell mache ich mir und unseren Gästen immer wieder deutlich, wie schön unser Kontinent doch ist und auf wie viele nette Einwohner man treffen kann, wenn man sich nur drauf einlässt. Deshalb reise ich immer weiter. Zum Schmunzeln bringt mich immer wieder das Aufeinandertreffen mit einem älteren Russen, der mich fragte: „Wieso machen Sie Urlaub mit dem Fahrrad? Erst erfindet ihr Deutschen das Auto und jetzt fahrt ihr wieder Rad? Merkwürdig… “ Als ich ihm sagte, dass ich bis zu fünfmal im Jahr von Vilnius nach Danzig via Kaliningrad radle, hat er mich angeschaut, als wäre gerade ein Außerirdischer gelandet.

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